„Wir demokratisieren den Luxus“: Asos-CEO Nick Robertson im Interview

30/01/2012 Nahtlos!

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Nick Robertson, Asos

Eigentlich gilt Nick Robertson, Co-Gründer und CEO des erfolgreichen Online-Shops strong>ASOS, als äußerst medienscheu. Robertson gibt nur selten Interviews und sagt selbst von sich, er sei „not a fashion guy“. So viel Zurückhaltung verwundert, vor allem wenn man weiß: Der Unternehmer kommt aus der äußerst extrovertierten Werbebranche wo er zunächst für Carat arbeitete, eine der größten Agenturen Großbritanniens. 1995 gründete Robertson dann Entertainment Marketing und gewann Kunden wie Pepsi, Mars, Samsung, Carlsberg, Honda und British Telecom. Vor zwölf Jahren gelang ihm dann mit der Gründung von ASOS, einem Online-Shop, der sich dem Credo „fashion forward“ verschrieben hat, ein Mega-Coup. Die mittlerweile global ausgerichtete, börsennotierte Company ist weltweit auf Erfolgskurs, seit 2011 auch in Deutschland.

Stylisten und Normalverbraucher schwören auf die E-Boutique mit der recht gelungenen Eigenmarke. Günstig, trendy und schnell sind die Qualitäten, die ASOS.com und die Länder-Schwestern auszeichnen. Von 340 Millionen Euro verbuchtem Umsatz für 2011 erzielte ASOS 140 Millionen außerhalb des britischen Heimatmarktes, stolze 142 Prozent Wachstum auf den internationalen Märkten sind in Zeiten eines Über-Angebotes im schnelllebigen E-Commerce beachtliche Kennzahlen. Wer es ganz genau wissen will, der findet hier den ASOS Financial Year Report. Doch was ist das Geheimnis dieses Erfolges? Darüber (und vieles mehr) sprach Nick Robertson mit Nahtlos! Autorin Natasha Binar.

Nick Robertson, was macht einen erfolgreichen E-Tailer aus?

Auswahl und Benutzerfreundlichkeit. Der Schlüssel liegt darin, die richtigen, trendgerechten Produkte zum richtigen Zeitpunkt anbieten zu können. „Normale” Käufer besuchen auf einer Tour sieben bis zehn Läden, Internet-Shopper tendieren dazu, zwei bis drei Online-Portale ausgiebig zu durchstöbern, um in der Menge der Labels etwas Passendes zu finden. Eine möglichst perfekte Navigation ist also wichtig und dafür müssen wir genau wissen, wie sich die Kunden auf der Seite zurechtfinden. Nur kann uns ein einmaliges Einkaufserlebnis gelingen, das uns von unseren Wettbewerbern unterscheidet. Service ist das A und O.

Wie hat sich die Modebranche verändert – und wie lässt sich Luxus im Internet definieren?

Als wir mit ASOS in 2000 starteten, gab es wenig Konkurrenz auf dem Online-Modemarkt. Heute, zwölf Jahre später, ist jeder ständig „on” und Labels wie auch die großen Shoppingportale sind viel aktiver und schneller geworden. Ich denke, dass Luxusprodukte so immer zugänglicher für die breite Masse werden. Auch bei uns sind hochwertige Produkte problemlos zu erwerben, das Podest, auf dem die High Fashion bisher stand, wird so Stück für Stück niedriger. Wir wollen für jeden etwas bieten und demokratisieren den Luxus sozusagen.

Nun ist ASOS mit Deutschland im zweitgrößten europäischen Modemarkt vertreten. Wie waren Ihre bisherigen Erfahrungen?

Wir haben uns hier eine sehr loyale Kundschaft aufbauen können, die Wiederkehrrate ist hoch – und das Ordervolumen ebenso. Immens wichtig war uns, den richtigen kulturellen Ton zu treffen, um lokal „verstanden” zu werden. Deswegen arbeiten wir auch mit der deutschen PR-Agentur Nicole Weber zusammen. Was unseren deutschen Kunden besonders gefällt, sind kostenlose Retouren (free returns) und der gute Service.

Beschreiben Sie uns Ihren typischen Arbeitstag.

Ziemlich hektisch! Aber wenn man seinen Job liebt, findet man überraschenderweise immer noch unausgeschöpfte Energiereserven. Nicht nur an mich habe ich hohe Erwartungen, auch an mein Umfeld. Am liebsten hätte ich alles schon gestern auf meinem Tisch. Ich mag es, in Bewegung zu bleiben, nachzudenken, nach neuen Impulsen zu suchen und zu lernen. Jeder im Team spielt eine wichtige Rolle, das vergesse ich nie. Und ich arbeite gerne mit Menschen, die große Ideen umsetzen können, denn in diesem Business dreht sich alles um originelle Einfälle – und den Mut, sich auch Ungewöhnliches zu trauen.

Und wie gehen Sie mit Stress um?

Meine Familie ist mein bestes Anti-Stress-Mittel. Meine Kinder wissen nicht viel über meinen Job, sie wollen einfach nur einen Papa, der Papa-Sachen mit ihnen macht.

Und welcher Aspekt ihrer Arbeit erfüllt Sie am meisten?

Ständig an die Zukunft zu denken, in eine imaginäre Kristallkugel zu blicken – und doch realistisch zu bleiben und kommerziell zu denken. Was kommt als nächstes in unserer immer rascher zusammenwachsenden Welt? Das zu ergründen macht Riesenspaß!

Dann frage ich doch mal: What’s next?

Wir betrachten China als unsere größte Herausforderung, das wird spannend! Und in Deutschland werden wir in naher Zukunft auf andere Anwendungsplattformen wandern, also gibt es bald ASOS auf Smartphones und iPads.

Eine Mode-Frage: Was ist ihr Garderobe-Liebling im Winter?

Oh, ich bin wirklich kein Modemensch, ich umgebe mich lieber mit fashion lovers. Ich selbst trage eher klassische Teile, wie zum Beispiel eine robuste Barbour-Jacke. Ich bin einerseits traditionell, andererseits kenne ich aber auch keine wirklichen No-gos.

Zum Abschluss: Ihr Rat an die junge Designer- und Unternehmer-Generation?

„Arbeite hart und lang genug, und alles wird gut.” Das klingt jetzt zwar wie ein Klischee, es muss aber einen Grund geben, dass so viele erfolgreiche Menschen daran glauben.

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