Sie sind hier: Startseite → KLEIDSAM! → Fashion Weeks → Berlin →
11/07/2011 Nahtlos!

Tag 1: … im Fashion-Zelt hinter (oder vor) dem Brandenburger Tor endete mit der Show von Basler. Als wir die deutsche Katalog-Marke zuerst auf dem MBFW-Schauenkalender entdeckten, waren wir überrascht. Denn eigentlich verbindet man das Modehaus aus Goldbach eher mit Garderobe für Damen im besten Alter als moderne Prêt-à-Porter, die sich auf dem Catwalk behauptet. Dennoch, wir wollten diese Premiere nicht verpassen. Mit viele Grundvertrauen in den neuen Basler-Designer Brian Rennie (Ex-Escada, Ex-Gant) saßen wir ganz open-minded am Laufsteg.
Das erste ungute Gefühl beschlich uns, als jemand das 90er-Disco-Mobil anstellte. Nervös wurden wir dann, als die ersten blonden Models, gestylt wie „Pam Anderson trifft Marilyn Monroe” in flatterndem Seiden-Leo-Print zu Pink über den glänzenden Laufsteg stolzierten. Blonde bombshells for Basler, dachte sich Rennie offensichtlich, und griff reichlich in die Kiste der Entwürfe, die man ihn vermutlich bei Escada nie umsetzen ließ. Zu recht. Dachten wir in der Show-Mitte bei Gute-Laune-Look in Citrusgelb und mit Blumenmotiven noch, wenigstens die Grundmotivation der Kollektion durchschaut zu haben, mussten wir zum Showdown-Finale endgültig passen. Die Abendkleider wurden immer skurriler, die applizierten Rosen und die eingesetzten Meter von Tüll waren nicht mehr zu zählen. Topmodel Franziska Knuppe kämpfte mit ihrem pinkfarbenen Zuckerbäcker-Monstrum von Kleid. Der Schlussapplaus viel dennoch ziemlich energisch aus. Haben wir vielleicht was nicht verstanden? Nein, ich fürchte nicht …
Während die Handtaschen bei Basler spießig-klassisch am Modelarm baumelten, wusste Accessoire-Designerin Celia Czerlinski uns im Showroom-Ambiente des neu geschaffenen „Studios”, einer Präsentationsfläche ohne Laufsteg, mit bunten, gesteppten Mini-Bags mit großen Schnallen, Ketten, Nieten und Quasten zu begeistern. We like!
Tag 2: Laurèl reaktivierte die 60s und 70s mit Hippie-Elementen wie lange Kleider, kurze Shorts und braunem Leder. Zudem griff Chef-Designerin Elisabeth Schwaiger zum Schlapphut, der uns und sicherlich vielen anderen Gästen noch von der letzten Fashion Week (etwa bei Schumacher und Rena Lange) im Gedächtnis war. Klar, Schlapphüte waren auch im Januar nicht mehr neu. Dennoch ist ein wenig fraglich, ob man nur sechs Monate später Elemente von zwei absoluten Fashion-Week-Hits übernehmen sollte. Wie man auch bei den Cavalli’esken Sommerroben im auch sonst omnipräsenten Pythonprint geteilter Meinung sein kann.
Das Salon-Defilée des Green Showroom im Hotel Adlon stellte uns dann auf eine harte (Gedulds-)Probe. Da Schauspielerin und testimonial Andrea Sawatzki sich verspätete, fing die Show rund 30 Minuten später als gedacht an, und forderte auch unsere Aufnahmefähigkeit durch eine seltsame Modelchoreographie – sie liefen mitunter zweimal durch die Zimmerflucht – heraus. Daran mag es liegen, das uns die Mode ehrlicherweise nur in Bruchstücken im Gedächtnis blieb. In dieser Saison zeigten Asandri, Braintree, Kaska Hass, Leibschneider, Shokay, Studio Ecocentric, The Rooters, VonWinckelmann, Wellicious, [wired], yog:k und RoyalBlush, das Label von Green Showroom-Mitbegründerin Jana Keller.
Ja, wir finden das Konzept und die wichtige Keimzellen-Funktion des Green Showroom wirklich großartig! Doch gerade deshalb muss die Art der Präsentation dringend überdacht werden. Ob beispielsweise das Adlon für progressive nachhaltige Mode die richtige Location ist, wäre für uns eine der ersten Fragen. Denn Öko-Mode verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit, dafür müssten aber unserer Ansicht nach einige Show-konzeptionelle und organisatorische Hürden geräumt werden.
Tag 3: Der Hahn am dritten Tag krähte früh. Um 10 Uhr bat Designerin Anja Gockel ins runway tent am Pariser Platz. Wir hatten es in vergangenen Saisons einfach nie zu ihrer Modenschau geschafft, und das wollten wir nun nachholen. Seit 15 Jahren macht die Designerin für das nach ihr benannte Label Frauenmode, die Ränge der Fans waren dementsprechend gut gefüllt und das Interesse an einem späteren „Meet the designer”-Umtrunk groß. Die Durchsage, man könne sich jetzt mit Anja Gockel auf dem Laufsteg fotografieren lassen, hat allerdings auf einer Fashion Week nichts verloren. Gockels Sommerkollektion mit dem Slogan „The Spirit of a Smile” griff asiatisch inspirierte Stoffe wie Seidensatin auf, außerdem Elemente (Volantkrägen) und Farben (Violett und Eisblau) der 90er Jahre.
Leider wirkte mancher Schnitt bereits am Model nicht gänzlich vorteilhaft, und fehlten uns over-all auch ein wenig Rafinesse sowie Farbgespür. Keine Frage, Mode hat in Berlin unzählige Gesichter – und das ist auch gut so. Die Augen des Auslandes allerdings, das hörten wir in den Fashion-Week-Tagen des öfteren aus äußerst berufenen Mündern, sind gnadenlos und mitunter vom line-up der MBFWB nicht so angetan. Wir werden jedenfalls dranbleiben und uns auch von der nächsten Kollektion von Anja Gockel ein Bild machen.
Tag 4: Die Mode des rumänischen Designers Stephan Pelger sahen wir zuletzt auf einer Kleiderstange bei den Münchner press days. In seiner Kollektion für Herbst/Winter 2011/12 hatten wir damals einige sehr gelungene Stücke entdeckt. Den Sommer 2012 wollten wir also nun live sehen, und vermissten prompt ein wenig mehr Inspiration und ein gewisses Maß an Abwechslung in seiner Kollektion.
Pelger arbeitete mit wenigen Stoffen – vor allem Seide in Hell- und Dunkelgrün, Bordeaux und Weiß – und setzte diese in unzähligen Kleidvarianten um. Dazu cognacbraune Lederkleider, -röcke und -korsagen, teilweise „gepimpt“ mit Glitzerapplikationen – irgendwie so gar nicht sommertauglich … Unser Highlight war ein minimalistischerer Look aus dunkler Seidenhose zum hellen Seidentop. Davon hätten wir gern mehr, von anderem weniger gesehen.
Und hier geht es Nahtlos! weiter ...
Anja Gockel, Asandri, Basler, Braintree, Brian Rennie, Celia Czerlinski, Elisabeth Schwaiger, Green Showroom, Kaska Hass, Laurèl, Leibschneider, Mercedes-Benz Fashion Week Berlin, RoyalBlush, Shokay, Stephan Pelger, Studio Ecocentric, The Rooters, VonWinckelmann, Wellicious, yog:k, [wired] Berlin, Fashion Weeks, Frühjahr/Sommer 2012, KLEIDSAM!
[...] führte ich zwei Teaser-Interviews – eines mit Designerin Dorothee Schumacher, das andere mit Stephan Pelger. Diesmal ebenfalls als App-Bloggerin mit dabei: Mary Scherpe von Stil in [...]