Podcast, Folge 38: Designer Detlev Diehm von Regent über harte Anfänge & perfekte Anzüge

Detlev Diehm Regent Handtailored
Liebe Leser & Hörer!

„Die Liebe zur Schneiderei, die uns den Mut verleiht,
Zwänge abzuschütteln und immer aufs Neue nach der Spitze zu streben.
Unsere Hände, die täglich in ungezählten Bewegungen Außergewöhnliches vollbringen.
Und unser Geist, der niemals ruht, da er immer mehr verlangt als möglich erscheint.”

So poetisch und präzise lautet das Motto der Maßschneiderei Regent Handtailored, die 1946 im fränkischen Weissenburg gegründet wurde. Zunächst konzentrieren sich die Henryk Barig und Dr. Michael Aisenstadt ganz auf feinste Hemden, ehe sie später auf Druck von Kunden auch Anzüge in ihr Repertoire aufnehmen. Leicht, unfixiert und aus Rosshaar – mit diesem Angebot waren die Regent-Gründer ihrer Zeit weit voraus. Seit 1996 hält der gebürtige Augsburger Detlev Diehm die kreativen Zügel der Marke in der Hand. Der gelernte Herrenschneider begann in der Kostümabteilung der Bayerischen Staatsoper, ging dann nach Mailand und gelangte über Hugo Boss zu Regent.

Mit Nahtlos! spricht Diehm über seine Anfänge in der Branche, wie Italiener Wutausbrüche zur Kunstform erheben und er erklärt, warum schlecht sitzende Garderobe respektlos ist. Außerdem in diesem Podcast: die junge Regent-Linie Cut 6 und gute Tipps für Maßmode-Neulinge.

In dieser Folge geht es etwas lauter zu, als ihr es gewöhnt seid. Im Schumanns wurden leider sehr scheppernd die Tische eingedeckt. Aber keine Sorge, ihr verpasst dennoch keine Silbe!

Jetzt gleich hier auf dem Blog reinhören oder – unser Tipp! – ganz bequem und gratis auf iTunes abonnieren. In jedem Fall: Viel Spaß!

Shownotes zu Nahtlos! Das Lifestyle Podcast Folge 37

die Website von Regent Handtailored
ein Artikel zur Beinahe-Pleite von Regent Mitte der 2000er („Handelsblatt”)
ein Text von Diehms früherem Chef Quironi Conti zu Ehren der Fendi Baguette Bag
Kostüm und Maske der Bayerischen Staatsoper

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Und jetzt könnt ihr das gesamte Interview mit Detlev Diehm von Regent Handtailored noch einmal bequem als Transkript nachlesen:

Siems Luckwaldt: Detlef Diehm, erst mal herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen am frühen Montagmorgen sozusagen, für uns ein bisschen einzutauchen und mit uns in die Welt von Regent Handtailored. Und ich habe in der Vorbereitung jetzt am Wochenende gelesen: 14 Stunden dauert ungefähr ein Sakko. Stimmt das und warum?
Das stimmt in etwa, ja. Es dauern einfach die einzelnen Schritte, die von Hand gemacht werden, also wir arbeiten natürlich auch mit Nähmaschine, die ist nun mal erfunden und es wäre Unsinn, auf die völlig zu verzichten. Aber auch da wird sehr sorgfältig gearbeitet. Also mehr Stiche gemacht, alles Mögliche. Aber was wirklich lange dauert, dass sind die Schritte Handarbeit. Es gibt da Details, die manchmal sehr überraschend sind, beispielsweise wenn die vordere Kante durchgenäht wird. Das ist das, was im Endeffekt das Sakko, wenn alle Heftfäden entfernt sind, Sie kennen das, dieses weiße Zickzack auf dem dunkelblauen Stoff.

Die lässt man heute ja manchmal heut sogar drin, weil das irgendwie bei manchen Designern cool ist.
Ja. Ja, genau. Also wir ziehen sie raus und diese schmale Naht vorne, die unsichtbar ist, außer der Kunde wünscht sie ausdrücklich sichtbar mit dickerem Garn, womöglich sogar in Kontrastfarbe, diese Naht fixiert das Sakko.

Danach geht nichts mehr? #00:01:35-0#
Es ist dann also keine Tüte mehr aus zwei zusammengenähten Schichten, die sich frei zueinander bewegen können, sondern das ist wirklich das, was es letzten Endes zusammenhält und dafür wird der Stoff vorher noch mehrfach verschnitten. Es werden Bänder eingenäht. Man betreibt sehr viel Aufwand, um die Kante flach zu bekommen und dann eben ist das der letzte Schliff und das dauert eine gute Stunde. Da kann man auch ein Sakko nähen, wenn man gut organisiert ist in der Industrie. Aber das sind eben solche Dinge.

Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen im Vergleich, weil so genau weiß ich es natürlich gar nicht. Der Schnitt in der, sage ich mal, in der Massenkonfektion ist so grob eine Stunde oder so ungefähr?
Ich bin da ehrlich gesagt schlecht informiert aber ich denke in einer Stunde kann man alles gut hinbekommen.

Solche Unterschiede machen natürlich nur Sinn, wenn erstens der Kunde Sie kennt und vielleicht auch sieht, was sind denn so geheime, ich gucke immer schon so auf Sie, was sind denn so geheime Erkennungsmerkmale, mit denen vielleicht sich Regent-Kunden untereinander erkennen oder wo Sie sagen würden, achte da drauf, dann biste wahrscheinlich bei einem unserer Sakkos oder Anzüge gelandet? #00:02:52-5#
Also das Erkennungsmerkmal für Einsteiger ist der Knopf mit den drei Bohrungen. Wie gesagt, zu den üblichen Vier, das wurde damals erfunden zu Zeiten als es noch keine computergesteuerten Nähmaschinen gab. Man konnte diesen Knopf zu der Zeit nur von Hand annähen und das war ein Qualitätsmerkmal. Das hat man beibehalten. Heute kann man den Stadtplan von Berlin sticken. Das ist alles kein Problem mehr. Aber es ist geblieben und das ist jetzt, sage ich mal … Und dann geht es so ein bisschen in die Feinheiten ein Maßanzug oder ein gut passender Anzug sitzt gut am Kragen.

 

 

 

 

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