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18/01/2012 Siems Luckwaldt

Mit der Fashion Week in Berlin ist der erste sommerliche run auf die Laufstege zwar erst einmal beendet, doch da es im September gleich weitergeht – in Mailand, in New York, in Paris – ist es nie zu spät oder zu früh, einige Survival-Tipps zur Einsteiger und Fortgeschrittene zusammenzustellen. Auch Modewochen-Profis könnten noch das eine oder andere lernen. Schluss mit der Vorrede, hier sind sie, unsere Überlebens-Ratschläge – von der Front Row über graziöses Aussteigen aus dem Taxi bis zu SOS-Beauty-Tricks:
1. Eine Fashion Week bleibt bei allem Glitter und Glamour ein hartes, ernsthaftes Geschäft. Deshalb sitzt vorn, wer neue Stars generieren und Verkäufe ankurbeln kann. Meist. Dazu gehören die Chefredakteure der meinungsbildenden Modetitel, mächtige Einkäufer sowie sorgsam ausgewählte Stars, Sportler und Sternchen.
2. Wenn der Vorname genügt, um einen Mode-Kritiker zu erkennen, so sind seine Besprechungen auch ein must-read. Das gilt vor allem für das englischsprachige Ausland und Kollegen wie Suzy (Menkes, „International Herald Tribune”), Tim (Blanks, „Style.com”), Bridget (Foley, „WWD”), Cathy (Horyn, „New York Times”) und Hilary (Alexander, „Daily Telegraph”). Einflussreiche, meinungsfrohe (Print-)Journalisten in Deutschland? Hm. Wir sind Fans von Melissa (Drier, „WWD”). Und empfehlen natürlich auch, hier auf Nahtlos! vorbeizuschauen.
3. In den Reihen 2 bis 4 sitzen die sogenannten dot coms, also Vertreter traffic-starker Websites und Blogs. Dazu freie Autoren, Stylisten, Freunde und Familie des Designers.
4. Stehen müssen alle, die (noch) nicht dazugehören. Viele, die heute sonnenbebrillt in der ersten Reihe Platz nehmen, standen auch mal hinten. Und, hey, die Mode bleibt die gleiche. Sie ist bloß weiter weg …
5. Wer sich ohne Fashion-Szene-Uniform unwohl fühlt, der kann sich Inspirationen aus den ersten Sitzreihen holen. Mode bleibt eine visuell bestimmte Industrie, wieweit man dabei (mit)geht – it’s up to you and your budget. Für Paris sind beispielsweise Balenciaga, Yves Saint Laurent, Dior und Alaia eine gute Basis. In London kann man mit Marni und Topshop kaum etwas falsch machen. In Mailand dürfen es schon Luxusmarken wie Prada, Dolce & Gabbana oder Gucci sein. In New York sieht man kaum jemanden ohne Proenza Schouler, Marc Jacobs, DVF, Calvin, Michael Kors, Oscar de la Renta oder Thakoon. Berlin? Hm. Alles eben genannte mixen und mit local heroes wie Hien Le, Esther Perbandt oder Patrick Mohr abschmecken, würde ich sagen. Models halten sich übrigens meist label-mäßig bedeckt, sie wollen für jeden Designer potentiell interessant bleiben und sich nicht an einen binden. Es sei denn für ein ordentliches Kampagnen-Honorar.
6. Extrem hohe Absätze, die eine handfeste (stützende) Eskorte nötig machen, sind eher zu vermeiden. Auch Täschchen, die reine Dekoration sind, braucht bei einer Fashion Week niemand. Im Gegenteil: Alle, die ohne Tasche unterwegs sind, haben es geschaft. Jemand anderer macht für sie Notizen und sorgt dafür, dass die Limousine vor der Show-Location steht.
7. Minzbonbon oder Kaugummi sind Pflicht, damit der Atem stets frisch für Luftküsse bleibt. Auch lohnt ein Kontrollblick auf Haare und Make-up, BEVOR man aus dem Taxi schlüpft. Und dann – aussteigen: Zunächst alle Habseligkeiten zusammenklauben. Dann nah an die Tür rutschen, die am nächsten am Bordstein ist. Öffnen. Den Körper rausdrehen, die Beine dabei geschlossen lassen und eines rausstrecken, dicht gefolgt vom anderen. Die Tasche, so vorhanden, auf der Hüfte halten. Gerade hinstellen, dabei die Hand nicht nur benutzen, um sich aus dem Sitz zu drücken, sondern gleichzeitig Mantel oder Kleid glattzustreichen. Vergewissern, dass kein Kleidungsstück in der Tür oder Unterwäsche eingeklemmt ist. Ansonsten rasch richten. Umdrehen, Taxitür schließen, letzter check im Autofenster. Dann Kopf hoch, zur show area gehen, lächeln. Gut, im Regen ist so ein Auftritt noch einmal deutlich schwieriger.
8. Das Kritiker-Equipment: Old-school is cool! Ein fescher Schreibblock, ein Bleistift (wer will schon auslaufende Kugelschreiber in der It-bag haben?) – fertig. Laptops werden unangenehm warm, BlackBerry-Getippe lenkt ab. Ein iPad? Wenn’s sein muss.
9. Schützen sie Ihre besten Adjektive und Formulierungen mit der Streber-Hand vo dem Sitznachbarn. Steno-Kenntnisse? Good for you!
10. Fällt Ihnen zweimal ein Designkniff auf, mag es Zufall sein. Dreimal bedeutet Trend!
11. Name-dropping!
12. Auffallen. Es gilt: Survival Of The Chicest! Hier einige Empfehlungen:
12.1. Umgarnen Sie japanische Journalisten und Blogger, führen Sie ihnen Ihren extravaganten street style vor, bis sie die Kamera zücken. Oh, und drücken Sie Ihnen gleich eine Visitenkarte in die Hand. Wer braucht schon ein namenloses Foto von sich im Internet?
12.2. Finger weg von dunklen Sonnenbrillen. Sie wollen schließlich wiedererkannt werden.
12.3. Heften Sie sich an die Fersen von Scott „Satorialist” Schuman oder „Facehunter” Ivan Rodic. Merken Sie sich, wie der legendäre Fotograf Bill Cunningham aussieht, und posieren Sie einfach hemmungslos für lokale Blogs, bis der schedule drängt.
12.4. Schauen Sie morgens kurz auf „Perez Hilton”, „TMZ” und „Bild.de” vorbei, um gierigen Reportern ein paar Smalltalk-Anekdoten anbieten zu können.
12.5. Setzen Sie auf dem catwalk gesehene Trends gleich im eigen Outfit um. Oder seien Sie selbst Trendsetter. Von funky bis bizarr – gerade in Berlin ist (fast) alles erlaubt.
13. Schlaf? Vergessen Sie’s! Hier einige Tipps, wie Sie die Augen offen und ihre Erscheinung stets frisch halten:
13.1. Fängt ein Fashion-Week-Tag besonders früh an – verzichten Sie auf die Clubnacht oder die Cocktail-Sause am Tag zuvor.
13.2. Rote Lippen lenken vom derangierten Rest ab. Ein demonstratiever Schmollmund verhindert – im besten Fall – überflüssiges Morgen-Geplapper, wenn das eigene Hirn noch auf Notstrom läuft.
13.3. Highheels sind ein guter Grund, sich hinzusetzen oder bei anderen einzuhaken. Praktisch, bei Restalkohol.
13.4. Sharing is caring. Sie werden niemals alles schaffen, was der Schauenplan hergibt. Also setzen Sie auf befreundete Reporter und teilen Sie untereinander Notizen. Nur Assistenten gehen auf JEDe Party!
13.5. Essen Sie! Wenigstens eine echte Malzeit sollte es pro Tag sein. Unterzuckerungs-Ohnmachten sind nämlich, allen Gerüchten zum Trotz, extrem unsexy und unprofessionell.
13.6. Mäßigen Sie sich bei (Gratis-)Spirituosen. Wer nüchtern bleibt, hält länger durch.
13.7. Schlafen sie allein. Fashion Week ist harte Arbeit, kein Romantik-Wochenende zu zweit.
13.8. Bündeln Sie die Aufwach-Hilfen! Stellen Sie Ihren Reisewecker, den Alarm Ihres SMartphones, lassen Sie die Rezeption durchklingeln und bitten Sie Freunde um einen Anruf. Bestellen Sie das Frühstück vor – und aufs Zimmer, das spart Zeit. Lassen Sie den Vorhang immer einen (Licht-)Spalt weit offen.
14. In der Woche nach einer oder mehreren Fashion Weeks heißt es: schlafen! Nehmen Sie frei, arbeiten Sie von daheim oder einer karibischen Insel aus.
(Übersetzt, bearbeitet & erweitert nach einer Vorlage von Camilla Morton auf Modelinia; Illustration: Jose Oz)
Und hier geht es Nahtlos! weiter ...
Hahaha ich muss gerade so lachen!
Das ist wirklich gut, das mit dem schlafen und Alkohol trift vollkommen zu !